Transkript
Guten Tag, ich bin Alejandra Chacón. Head of Strategy bei Havas Media Network.
ERZIEHUNGSSOZIOLOGIN Die drei Wörter, die mich am besten definieren,sind Konsistenz, strukturiertes Denken, hier meine ich nicht Sturheit,und zuletzt Vorstellungskraft, um neue Verbindungen zu sehen.
FÜHREN UND SICH SELBST TREU BLEIBEN Ich möchte mit einer Geschichte beginnen, die 2013 passiert ist.
Ich erinnere mich gut an dieses Jahr. Ich wurde mit meiner Tochter schwanger.
Obwohl ich es noch nicht wusste,und in meiner letzten Agentur hatten wir Mitarbeitergespräche.
Als ich an der Reihe war...bekam ich Feedback zu meiner Performance.
Man sagte mir, dass mein Ego zu groß wäre.Das war schwer zu verdauen und ich fragte,welche Verhaltenseweise oder in welchen Situationen mein Ego ein Problem wäre.
Niemand konnte mir eine konkrete Erklärung geben,sondern es schien, dass meine Person oder meine Persönlichkeit in der Arbeit zu präsent wären.
Tatsächlich denke ich, das ist die große Herausforderung,zu wissen, wer man im Job ist.
Was wir sind oder wie wir sind, ist das unsere beste Version oder ist das unser Führungsstil.
Während eines Entwicklungsprozesses ein paar Jahre später lernte ich meine Schwächen und Stärken,zu erkennen und sogar zu lieben und freundlicher zu mir selbst zu sein.
Und interessanterweise seit ich weiß, wer ich bin,ist es in meinem Berufsleben noch nie besser gelaufen.
Wenn es darum geht, herauszufinden, wie wir sind,denken wir oft, das alles festgelegt ist. Das stimmt aber nicht.
Oft hängt es damit zusammen, zu lernen, richtig zu navigieren und zu reagieren und mit anderen Dingen.
Es hängt auch damit zusammen, sich selbst im Beruf zu managen.
DIE POSITION VON FRAUEN IM MANAGEMENT Während der beruflichen Laufbahn steigt man in die Führungsebene auf und es ist eine Tatsache, dass man in diesen Meetings immer weniger Frauen findet. Der Prozentsatz von Frauen in Führungpositionen wird immer kleiner. Wir sprechen von...
circa 30 % und bei CEOs sind wir bei circa 7 %.Die Soziologin in mir hat versucht, im Zuge von Sozialforschungen einen Beitrag zu leisten, genauer gesagt in der Welt des Marketings,um zu verstehen, was mit den Frauen in diesen Betrieben passiert.
Mit den Forschungen, die ich angestellt habe, merkt man,die realen Schwierigkeiten von Frauen liegen nicht auf individueller, sondern auf struktureller Ebene und sie beeinfluss direkt die beruflichen Entwicklung.
Damit wir uns das besser vorstellen können: 30 % der Frauen in der Marketingbranche fühlen sich nicht wahrgenommen.
Es fällt ihnen schwer, dass gesehen und wertgeschätzt wird,was sie alles leisten.70 % der Marketing-Studentenin in Spanien sind weiblich.
Aber wir finden nur 22 %,zwischen 22 % und 28 %, Frauen in Führungspositionen und gleichzeitig brauchen Frauen länger,um in die Führungsebene aufzusteigen.
Während einer Berufslaufbahn von 20 Jahren haben Frauen um 27 % weniger Chancen,in die Führungsebene aufzusteigen.
Bei einer gleich langen Berufslaufbahn und bei Führungspositionen klaft die Gehaltsschere besonders weit auseinander.
Außerdem muss man auch die Anstrengung und die mentale Belastung beachten,die notwendig ist, um unsere Arbeit sichtbar zu machen,um die notwenige Berufserfahrung zu haben, um an den besten Projekten mitzuarbeiten,die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die dazu gehörige mentale Belastung,dadurch wird klar, dass die Situation von Frauen in Betrieben weit darüber hinausgeht,sogar über uns selbst.
KONKRETE ÜBERLEBENSSTRATEGIEN FÜR FRAUEN IN FÜHRUNGSPOSITIONEN Wir denken, dass man mit Gefälligkeit Respekt bekommt.
Aber genau hier täuschen wir uns.Selbstvertrauen im Beruf ist das Wichtigste für mich und das sage ich auch offen.
Ich war in Meetings, auf Wettbewerbeb und Projekten,wo ich einfach nur brauchte...
dass man mich meine Arbeit machen lässt.Ich habe in diesen Sälen,erinnern wir uns, je höher die Position, desto mehr Männer,um einen Vertrauensvorschuss gebeten.
Fodert ihn ein! Lasst uns um Vertrauen bitten,unsere Ideen ohne Angst präsentieren zu können.
Es ist schwierig, dass jemand sagt, dass er keine fünf Minuten hat,um eine Idee zu hören.
Bei Unterrbrechungen kann man sagen: "Entschuldigung, ich bin noch nicht fertig".
Aber das muss aus der Überzeugung kommen, dass man das Recht und die Legitimität hat,zu sagen, was man sagen will.
Und es funktioniert.Niemand wird deine Arbeit für dich verteidigen.
Das kann manchmal unbequem sein, aber wenn man etwas erklären muss und deshalb der ganze Saal zuhört, was man zu sagen hat,dann muss man da einfach durch.
Ich denke, das ist der einzige Weg,um den Respekt und das Vertrauen der anderen zu gewinnen und auch in dich selbst. Selbstbewusstsein lässt sich trainieren.
Was unterscheidet Männer und Frauen in Führungspositionen?
In sehr männlichen Umgebungen kann es schwierig werden,denn oft auf unbewusster Ebene entsteht diese Männer-Kameradschaft und als Frau passt man da nicht dazu,wie zum Beispiel bei Klapsen. Wenn man darauf achtet,dann ist es bei Meetings unter Männern üblich,sich einen Klaps auf den Rücken zu geben.
Manchmal gibt es auch Klapse auf den Bauch oder auf die Schulter.
Das habe ich auch schon gesehen. Frauen geben keine Klapse,mir ist so etwas noch nie passiert. Was hier los?
Klapse sind ein Code in dieser Kameradschaft.Der nächste Schritt im Meeting ist,achten Sie einmal darauf, über Fußball zu sprechen.
Außerdem weiß jeder, auch wenn man sich nicht gut kennt,welche Mannschaft jeder mag, daher sind Kommentare wie...
was ist los mit Atleti, Barça oder Madrid... "Ich bin Madrid-Fan","und du von Barça", und was weiß ich. Hier entsteht ein Netzwerk.
Dadurch entsteht eine Verbindung,Vertrauensbeziehungen und vieles andere, das man gar nicht sieht und ich denke genau hier liegt das Problem.
FRAUEN AB 40 IN DER KREATIV-BRANCHE Bei unserer Forschung zu Kündigungen von Frauen ab 40 in Kreativagenturen in Spanien bemerkten wir, dass es in Kreativagenturen bei Frauen ab 35, einer riesigen Altersgruppe,praktisch zu einem Exodus kommt.
Die Frauen sagten uns vor allem eines,dazu kommt oft Mutterschaft, dass es schwierig sei,die sozialen Anforderungen der Agentur, strikt auf die Arbeit reduziert, zu bewältigen.
Da kommt vieles zusammen.After-Work-Drinks sind keine punktuellen Ereignisse,sondern passieren systematisch.
In diesem Umfeld spricht man natürlich über die Arbeit,wo man Projekte und sogar Ideen noch einmal bespricht,die vielleicht in der Agentur entstanden sind.
Also wenn man sich von diesem Momenten verabschiedet und von diesem Leben, weil man Kinder hat, oder man keine Zeit oder Lust hat,dann hat man die Chance verpasst und wird entsprechend bestraft.
Der Prozentsatz der Frauen mit Kindern, die uns gesagt haben,dadurch Nachteile in ihrer Karriere zu haben, ist relativ hoch.
Wenn ich mich nicht täusche, waren es circa 60.Bei Männern mit Kindern waren es nicht einmal 30.
In Spanien hat man dank der Unterstützung kreativer Frauen und der Arbeit an den Universitäten Gleichberechtigung bei Einstiegsgehältern geschafft.
Daher ist die Gehaltsschere bei Junior-Positionen praktisch inexistent.
Am Anfang verdienen Frauen und Männer gleich viel.
Wo die Gehaltsschere zum Tragen kommt, ist zwischen 11 und 15 Jahren im Beruf.
Ab diesem Zeitpunkt verdienen Frauen weniger.Wenn man dann noch die Aufstiegschancen miteinbezieht...
denn der große Sprung liegt zwisch Senior- und Führungspositionen.
Frauen können sich nicht vermarkten, der Sprung in die Führungsriege gelingt nicht.
Was passiert?Bei Mutterschaft oder anderen Fällen der Vereinbarkeit entscheiden sich viele Frauen für die Variante, die ihnen keine Vorteile bringt.
Sie treffen diese Entscheidung nicht wegen mangelnder Motivation,sie haben dieselbe Motivation wie Männer,sondern weil sie nichts davon haben, "ich verdiene weniger,und noch dazu habe ich weniger Aufstiegschancen".
In einem Kontext, wo viele Arbeitsstunden und viel Engagement verlangt werden und man keine Aufstiegschancen hat und weniger als Männer verdient,dann entscheiden Frauen, sich zu verabschieden...
von der Arbeit.Genau.- Super.
